Das war die ITF 2014

 (Foto/ Text: ossi – Mooskurier Hallbergmoos) Zum vierten Mal veranstaltete der Hausler-Hof in Hallbergmoos mit Unterstützung des Country- und Westernverbunds Southernstars e.V. auch dieses Jahr wieder das Indianer- und Trapper Festival (ITF 2014). Noch vor der eigentlichen Geländeeröffnung für das geneigte Publikum an Mariä Himmelfahrt startete das Festival mit einer filmreifen wilden Verfolgungsjagd auf dem Gemeindegebiet.

Sichtlich überrascht zeigten sich einige Autofahrer, als ihnen am Donnerstagabend auf der Goldacher Hauptstraße drei Pferde entgegenkamen. Wie aus einem guten alten Western mutete die Szenerie an, als die drei Rösser im wilden Galopp über die Felder pflügten. So anmutig und schon fast surreal, so gefährlich war die ganze Situation auf der anderen Seite, setzten sie ihren Lauf doch auf der B301/ FS 44 in Richtung Munich Airport Business Park fort. Einige Autofahrer schien das wenig zu stören und fuhren trotz alledem mit hoher Geschwindigkeit weiter.

Pressebild-01Kein ganzer Hengst mehr: Ausreißer „Bärli” mit seinem Besitzer am Tag nach der wilden Verfolgungsjagd

Nur durch das beherzte Eingreifen zweier Autofahrer konnte der Ausflug der Vierbeiner auf Höhe der Dornierstraße gestoppt und diese schließlich eingefangen werden. Nach gutem Zureden konnten die drei Ausreißer beruhigt und zusammen mit der mittlerweile eingetroffenen Polizei-Streife aus Neufahrn von der Fahrbahn gebracht werden. Wie sich herausstellte, war der vermeintliche Leithengst „Bärli” ausgebüchst und wurde von zwei Stuten bei seiner Spritztour begleitet. „Dabei ist er seit knapp einem Jahr gar kein richtiger Hengst mehr”, bemerkte die Besitzerin lakonisch. Vielleicht wäre es besser gewesen, ihm das auch mitzuteilen. Zum Glück wurde niemand verletzt und so konnten die Pferde zusammen mit ihren Besitzern den langen Fußmarsch zurück zum Hausler-Hof antreten.

Pressebild-02Das „Herzstück” des Festivals: Das Lager mit den Tipis und den Trapperzelten

Nach diesem unfreiwillig spektakulären Auftakt wurde dann das eigentliche Indianer- und Trapper-Festival am Tag darauf am Abend offiziell eröffnet. Wurde dieses Jahr auch schon viel über das Wetter geschrieben, so lässt es sich leider nicht vermeiden wieder festzustellen, dass es auch bei dieser Veranstaltung pünktlich zur Eröffnung um fünf Uhr anfing zu regnen. Völlig unbeeindruckt zeigten sich aber davon die vielen Mitwirkenden. Auf dem über 60.00 Quadratmeter großen Gelände des Hausler-Hofes ließen die über 100 Tipi- und Trapperzelte sowie 40 unterschiedliche Händler die moderne Zeit völlig vergessen. Das erste musikalische Highlight boten am Freitagabend die Band „Tax US” im zur „Music Hall” verwandelten Stadel.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen des „Wilden Westens”. Über zwanzig Programmpunkte boten eine bunte Mischung um in die Geschichte des wilden Amerikas einzutauchen und auf Zeitreise zu gehen. Beim großen indianischen „Powwow” konnte man die indianische Kultur hautnah miterleben. Die Vorläufer der „Powwows” entstanden um 1850 bei den Ponca- und Omaha-Indianern als öffentliche Veranstaltungen von Kriegergesellschaften. Der Zweck dieser Veranstaltungen lag u.a. in der Stärkung der Gemeinschaft in psychischer und sozialer Hinsicht. Dies geschah durch die Entwicklung einer eigenen Identität der Gesellschaft in allen Bereichen des traditionellen Lebens und dem bewussten Umgang damit. Nach innen schuf man sich eigene Grundsätze, die man bei bestimmten Anlässen in der Öffentlichkeit demonstrierte. Deshalb wiesen diese Veranstaltungen militärische, religiöse, soziale, wirtschaftliche, rechtliche, didaktische, kulinarische, künstlerische, unterhaltende und andere traditionelle Aspekte auf, die genau auf die betreffende Kriegergesellschaft zugeschnitten waren. Es waren also typische Volksfeste.

Pressebild-03Ein reichhaltiges Angebot an teilweise handgefertigten Waren boten die anwesenden Händler an

Neben den Tänzen und Trommelklängen konnten sich die Kleinen beim Bogenschießen, beim Lasso- und Hufeisenwerfen oder bei anderen Trapperwettbewerben beweisen. Auch Kanufahren, ein Geschichten-Zelt, indianisches Dressur- und Westernreiten und natürlich Lagerfeuerromantik gab es im Angebot. Ein weiterer Höhepunkt war sicherlich auch die einzigartige Flugshow der Greifvögel des Greifvogelparks Menter (http://www.greifvogelpark-menter.de), bei der Adler, Falke und Co. dicht über den Köpfen der Zuschauer kreisten und ihre Jagdfähigkeiten unter Beweis stellten. Pünktlich zu Beginn des geplanten großen historischen Umzuges durch die „Main-Street” des Lagers ging ein wahrer Hagelschauer nieder. Nachdem es eine Stunde später aufgehört hatte zu schütten, sollte dies eigentlich nachgeholt werden. Leider brachte die „Sumpflandschaft” den Zug alsbald zum Stehen, wollten die Protagonisten ihre traditionellen, prächtigen, teilweise originalen und vor allen teuren Requisiten nicht zerstören. Wer aber mit offenen Augen übers Gelände marschierte konnte auch so über die Vielfalt und die Liebe zum Detail staunen.

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Am Abend gab es wieder ein musikalisches Schmankerl. Die Band „Hats On!” aus München heizte den Besuchern und Teilnehmern ordentlich ein und sorgte für beste Stimmung. Hier konnten dann auch das am Nachmittag beim „Line-Dance-Workshop” Erlernte gezeigt werden.

Pressebild-05Sorgten am Samstagabend für ordentlich Stimmung: die Band „Hats-On” aus München

Den ganzen Tag über konnte man Tombola-Lose erwerben. Der Erlös aus dieser Veranstaltung geht zugunsten des ambulanten Kinderhospizes München und der Fertigstellung des „Millie Horn Cloud Gemeindehauses” im Pine Ridge Reservat in South Dakota. Am Abend wurden dann die 30 Preise ausgelobt. Diese reichten von sechs Dosen Diesel-Additiv, Besuche in der Westernstadt „Pullman-City” oder handgemachtem indianischem Wandschmuck. Als Lostrommel fungierte stilecht eine alte Handwaschmaschine. Der Präsident von Southernstars e.V.  Andy Streit konnte mit seiner bezaubernden Los-Fee Chrissy aus 1.235 Losen wählen. Als „1a-Preis” gab es einen Butler für 24 Stunden. Der Hauptgewinn, eine Tonne Futter-Karotten, ging mit der Losnummer 1.361 an Andreas Ott aus dem württembergischen Schwaben. Glücklicherweise kann er dieses von Maria und Sebastian Hausler gesponserte Pferdefutter auch in „handlichen” 25kg-Säcken abholen.

Pressebild-06Eine Tonne Futterkarotten: Der Hauptpreis der Tombola ging an Andreas Ott (Mitte) aus Schwaben. Andy Streit (re.) und Losfee Crissy (li.) gratulierten

Dieses wohl einzigartige Festival konnte dann am Sonntag auch wettertechnisch einen versöhnlichen Abschluss finden. Aber was ein echter Indianer- und Trapper-Fan ist, stört sich nicht an solchen Dingen. Schließlich waren gerade die Cherokee-Indianer für Ihre Regentänze bekannt. Wer also wollte, konnte an diesem Tag das ITF noch einmal in vollen Zügen genießen. Gerade in kulinarischer Sicht gab es wieder ein leckeres und abwechslungsreiches Angebot. Nur vor „Magic Mike´s” scharfen Klingen und seinen Peitschen vor der „Music Hall” musste man sich in Acht nehmen. So rasant das Festival begann, so harmonisch und beschaulich endete es schließlich.

Quelle: Mooskurier, 21.08.2014